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Frisch gegründet – richtig versichert?

matischik_2Marc-Andreas Matischik ist Organisationsleiter der SIGNAL IDUNA Gruppe in Hamburg. Viele Existenzgründer kennen ihn von Qualifizierungsmaßnahmen der Handwerkskammer oder von den Hamburger Gründertagen. Gruenderhaus.de erklärt er, in welche Versicherungen Existenzgründerinnen und -gründer unbedingt investieren sollten und warum.

gruenderhaus.de: Mit welchen Fragen kommen Existenzgründer zu Ihnen?
Matischik: Die zentrale Frage ist ganz einfach: Welche Versicherungen brauche ich? Dass die Gründerinnen und Gründer am Anfang schon Detailfragen haben, ist eher selten.

gruenderhaus.de: Und welche Versicherungen sind es, die Sie jedem Existenzgründer unbedingt empfehlen?
Matischik: Als erstes braucht jeder Existenzgründer aus meiner Sicht eine vernünftige Beratung zum Thema „Risiken“. Denn das Versicherungsgeschäft fängt idealerweise vor dem Abschluss von Verträgen an. Ein guter Berater wird dem Kunden zunächst eine Übersicht über die Risiken bieten. Weiterhin sollte er ihm ein persönliches Vorsorge- und Sicherheitsgutachten kostenlos erstellen. Auf dieser Basis kann man dann Prioritäten setzen.

Aber wenn es wirklich darum geht, eine Versicherung zu nennen, ohne die es gar nicht geht, würde ich sagen: die Betriebshaftpflicht. Die ist in meinen Augen ein Must-Have. Außerdem ist jeder Mensch mittlerweile dazu verpflichtet, eine Krankenversicherung zu haben. Das muss also auch sein. Und darüber hinaus halte ich es für wichtig, den möglichen Verlust der Arbeitskraft abzusichern. Dazu gehören dann zum Beispiel eine Krankentagegeldversicherung oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

gruenderhaus.de: Wie kann ich beim Abschluss einer Betriebshaftpflichtversicherung ermitteln, bis zu welcher Summe eine Absicherung sinnvoll ist?
Matischik: Das kommt darauf an, was ich mache. Auch zu dieser Frage ist eine individuelle Beratung wichtig. Bei kleinen und mittelständischen Betrieben wie zum Beispiel einem Handwerksbetrieb versichert man üblicherweise Schäden bis 3 Millionen Euro. Aber besonders gefährliche Berufe werden natürlich individuell betrachtet. Schwierig ist die Einschätzung bei den beratenden und freien Berufen. Da ist immer eine besonders genaue Tätigkeitsbeschreibung notwendig: Welche Auftraggeber gibt es? Welche Risiken können da auf den Gründer zukommen?

gruenderhaus.de: Welche Versicherungen würden Sie für bestimmte Branchen über diese „Grundsicherung“ hinaus noch empfehlen?
Matischik: Immer wenn große materielle Werte vorhanden sind, ist eine Sachsubstanzversicherung nötig, sozusagen eine Hausratversicherung für das Unternehmen. Das gilt für alle Betriebe. Die Unterschiede für die verschiedenen Branchen findet man dann in den Policen. Denn ein Hotel hat hier andere Voraussetzungen als beispielsweise eine PR-Beraterin. Und dann gibt es noch spezielle Versicherungen für besondere Bedürfnisse zum Beispiel Elektronik-, Autoinhalt- oder Betriebsschließungsversicherungen. Das muss man sich individuell anschauen.

gruenderhaus.de: Welche Art der Altersvorsorge empfehlen Sie Existenzgründern?
Matischik: Ich rate dazu, auf jeden Fall privat vorzusorgen. Das wird von Existenzgründern sehr oft unterschätzt. Hier gibt es mittlerweile sogar erhebliche Zuschüsse vom Staat, wie zum Beispiel für die sogenannte Rürup-Rente. Und als Gesellschafter oder Geschäftsführer einer GmbH kann man auch eine eigene betriebliche Altersversorgung einrichten.

 

Empfohlener Beitrag zur Altersvorsorge pro Monat

Mann, 20 Jahre: ca. 250,- Euro Frau, 20 Jahre: ca. 270,- Euro

Mann, 30 Jahre: ca. 400,- Euro Frau, 30 Jahre: ca. 440,- Euro

Mann, 35 Jahre: ca. 540,- Euro Frau, 35 Jahre: ca. 570,- Euro

Mann, 40 Jahre: ca. 720,- Euro Frau, 40 Jahre: ca. 760,- Euro

 

gruenderhaus.de: Ist die private Krankenversicherung für Selbstständige immer die bessere Entscheidung?
Matischik: Wenn man immer die bestmögliche Versorgung haben möchte, gibt es keine Alternative zu einer privaten Krankenversicherung. Ob dies allerdings auch wirtschaftlich die richtige Entscheidung ist, hängt unter anderem vom Einkommen und vom Familienstand ab. Ein Kompromiss ist unter Umständen die Optionsversicherung, mit der ich mir den Zugang zur Privaten zu einem späteren Zeitpunkt absichern kann. Das kostet zwischen 5 und 30 Euro pro Monat.

gruenderhaus.de: Welche Versicherungen sind nötig oder sogar vorgeschrieben, wenn Mitarbeiter eingestellt werden?
Matischik: Dann ist auf jeden Fall auch die Betriebshaftpflichtversicherung nötig. Denn die schützt den Unternehmer auch vor Ansprüchen, die die Mitarbeiter dann möglicherweise haben. Außerdem müssen die Mitarbeiter bei den Sozialversicherungen vernünftig angemeldet werden, also in der Kranken-, Pflege-, Renten-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung. Hierfür ist die jeweilige Krankenkasse des Arbeitnehmers der richtige Ansprechpartner.

gruenderhaus.de: Welchen Rat würden Sie Existenzgründern darüber hinaus noch geben in Bezug auf Versicherungen?
Matischik: Wie gesagt ist die vernünftige Beratung das A und O einer guten Absicherung. Dafür stehen die renommierten Versicherer, denn dafür sind Ansprechpartner vor Ort nötig und eben nicht nur eine Hotline. Im Zweifelsfall würde ich dafür auch einen Euro mehr ausgeben, aber dann den entsprechenden Service haben.

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